Zanskar und Ladakh in Nordindien

Meine lieben Freunde, Blogleserinnen und -Leser,

ich habe lange nichts von mir hören lassen, da ich in den letzten Wochen in einem wirklich abgelegenen Teil der Welt unterwegs war!

Auf den Tipp eines Reisenden habe ich mich auf den Weg in den hohen Norden Indiens gemacht. Keuchend bin ich von Manali über den Rohtang La(3975 Meter über Meer (M.u.M.) gekrochen und in eine wunderbare alpine Hochwelt vom Himalaya getaucht! Ich lebte in den letzten Wochen ein abenteuerliches Leben, schlief viel im Zelt, kochte auf dem Bezinkocher, band das Fahrrad auf ein Lastpferd, wenn der Pfad fürs Fahren zu schmal wurde und half für zehn Tage beim Aufbau einer Schule in Kargyak im Zanskar Valley mit.
Viele Leute haben sich Sorgen um mich gemacht, weil ich lange keinen Blogeintrag mehr geschrieben habe. Nun, heute in Srinigar bin ich auch wieder in eine digitale Welt getaucht und ich möchte euch nun kurz von meiner letzten Reiseettappe berichten. Ah, fast habe ich vergessen zu sagen, dass es mir körperlich und geistig gut geht!

Hier ein paar Geschichten: In Darcha habe ich Kesersing, einen tibetanischen Horseman angeheuert, welcher mich mit zwei Lastpferden von Darcha über den Shingo La Pass (5045 M.u.M.) nach Padum begleitete. Ein Pferd für das Fahrrad (nicht umgekehrt) und ein Pferd für’s Gepäck und die Trekkingausrüstung. Diese Nacht durfte ich gleich im Hause Kesersings schlafen und seine Schwester hat mir am Morgen ein Paar handgestrickte Wollsocken als Abschiedsgeschenk mitgegeben. Bei feinem Nieselregen sind wir dann einem Fluss folgend in ein Seitental Richtung Shingo La aufgebrochen. Die Bergwelt hat sich in den nächsten Tagen von seinen beeindruckenden Seiten gezeigt, verschneite Bergspitzen bis zu 7000 M.u.M., Gletscher welche sich durch Taleinschnitte zwängen, kalte Bachdurchquerungen, flatternde tibetianische Gebetsfahnen auf Passübergängen, kleine Bergdörfer, welche sich farblich nur unscheinbar von der Umgebung abheben und überall freundliche Menschen, welche mich spontan zu gesalzenem Buttertee oder ein Nachtlager im einzig geheizten Raum des Hauses eingeladen haben. Als wir nach vier Tagen das erste Dorf namens Kargyak erreicht haben, beschloss ich kurzfristig, dort am Aufbau einer Schule mitzuhelfen. Dabei konnte ich meine praktische Handwerksader zeigen und ich fixierte die zwanzig Meter lange Fensterfront an Deckenbalken, während nepalesische Arbeiter die umgebenden Wände mit Jakshit verputzten. In diesen zehn Arbeitstagen genoss ich einmal eine Solardusche und ich praktizierte täglich im Dorfgompa meine morgentlichen und abendlichen Mediationssitzungen. Die praktische Arbeit tat mir gut, und wenn ich dann einfach müde von der dünnen Luft war (Kargyak liegt auf etwas 4200 M.u.M.) habe ich einfach den Blick über das Hochtal genossen und gestaunt, wie sich dieses stündlich in anderen Farben präsentiert hat. Die Dorfbewohner haben während diesen zehn Tagen ihre kleinen Gerstenfelder von Hand abgeerntet. Alle bereiteten sich für die bald kommende, eiskalte Winterzeit vor. Das Wissen um diese kalte Zeit mit verschneiten Pässen hat mich dann auch weitergetrieben. Mit Tuschi, einem Horseman von Kargyak zog ich Richtung Padum weiter, besuchte in einem Seitental das tibetanische Kloster Puktal, welches sich wie ein Adlernest an eine Felswand klammert. Nach gut hundert Kilometern Trekkingweg erreichten wir Mone und dort schraubte und biegte ich mein Fahrrad wieder zusammen und begann eine mehrtaegige Schüttelfahrt über eine steinige Offroadpiste über den Pensi La (4400 M. u. M.) ins Surutal und ins muslimische Kargil. Von dort kletterte die nun wunderbar fein geteerte Strasse dem Drasfluss entlang hoch zum kältesten Ort Indiens nach Drass (was war dieser Ort heiss als ich in durchquerte) und weiter zum Zoji La (3530 M.u.M.). Es folgte eine steile offroad Abfahrt nach Sonamarg. Die Strasse in den steil abfallenden Fels geschlagen, auf welchen die Lastwagen im kleinsten Gang hochkämpften, dabei Staub und Russ aufwirbelten und die Beifahrer damit beschäftigt waren, alle hundert Meter einen grossen Stein hinter das Hinterrad zu schieben, damit die Lastwagen nicht rückwärts über den Abgrund ins Tal rollten! Sonamarg könnte landschaftlich betrachtet ein Schweizer Bergdorf sein, rauschende Bäche, grüne Wiesen und Tannen, Sicht auf verschneite Bergen. Iritierend für eine Schweizerwelt sind dann nur die muslimischen Menschen, welche bärtig in ihren shwar Kamez (Umhängen) Ziegenherden begleiten und mir ein ‚warey chukai‘ (Hallo) zurufen. Hier im Kashmirtal präsentiert sich viel bewaffnete Militär- und Polizeipräsenz, Ausschreitungen sind für den Kashmir und Jammu bekannt. Zum ersten mal auf meiner Reise fühle ich mich durch diese bewaffnete Präsenz unsicher, ich bleibe nur zwei Nächte auf einem wunderschönen Hausboot  in Srinagar und werde danach mit dem Bus direkt über Jammu nach Amritsar weiterreisen.

Vorbereitung in Darcha
Vorbereitung in Darcha
Richtung Zanskar
Richtung Zanskar
Vor Shingo La
Vor Shingo La
Vor Shingo La
Vor Shingo La
im Zanskartal
im Zanskartal
die Gerste wird von Hand geerntet
die Gerste wird von Hand geerntet
Kloster in Karsha
Kloster in Karsha
junger Moench
junger Moench
auf dem Pensi La
auf dem Pensi La
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