07.27.08
Dharamkot / Nordindien / zu mir finden
Die letzten zwei grossen Ettappen habe ich wie gewohnt sitzend verbracht, jedoch nicht auf dem Fahrradsattel, sondern im Sessel eines Eisenbahnwagens und auf dem Sitz eines Busses. Die Reise hat mich über Chandigarh, der von Corbusier entworfenen grünen und sauberen Stadt nach Dharmakot bei Dharamsala gebracht. Hier gönne ich mit Ruhe und eine Zeit ohne Fahrrad. Yoga und Meditation unterstützen mich, bewusst im Moment zu sein. Hier auf rund 2000 Metern über Meer, am Fusse von grünen Bergen, in einem Guesthouse mit freundlichen Zimmern und Kochmöglichkeit geniesse ich das Schlafen können in kühler (und feuchter) Bergluft, das eigene Kochen von gesundem Essen und schlürfen von warmen Tee, den Blick hinaus auf angepflanzte Maisterassen und hoch zu den Bergen.
07.14.08
Kathmandu – Delhi / 6100km
Die Strasse führt auf und ab entlang von Flusstälern und nebelverhangenen Bergen westwärts Richtung Pokhara. Der Monsun hat den Himalaya erreicht und es vergeht kein Tag oder Nacht ohne Regenschauern. Meine Schuhe sind immer nass oder auf dem Weg trocken zu werden. Ein paar Kilometer vor Pokhara zeigen sich dann für einen kurzen Moment Teile des imposanten Annapurnamassivs, bevor diese wieder von grossen Wolken verhüllt werden. Beeindruckt halte ich inne und staune - Nepal muss ein wunderbares Trekkingland sein!
Ausserhalb den Touristenzentren von Kathmandu und Pokhara sehe ich Nepal von einer materiell armen Seite. Strassenbelagsdefekte werden mit Teer zugegossen, welcher in Fässern vor Ort auf grossen Feuer erhitzt wird, Kinder in Kleidern, welche schon unzählig mal zusammengenäht worden sind. Fast kein motorisierter Strassenverkehr. Menschen, welche kilometerlang zur Arbeit wandern. Einfachste Häuser, tägliche Stromunterbrüche wenn überhaupt vorhanden.
Mit dem Monsunstart herrscht auch Grossbetrieb auf den Feldern. Männer treiben Wasserbüffel an, welche Holzpflüge durch die Erde ziehen. Frauen und Mädchen setzen Reisstauden in die wassergefuülten Reisterassen, tragen Brennholz nach Hause, begleiten Ziegen und Ochsen zu den Weideplätzen. Herzlich wird mir entlang dieser Welten immer wieder ein ‘Namaste’ zugerufen, man unterbricht für kurze Zeit die Arbeit und schaut mir diesem Ausländer auf seinem Fahrrad nach.
In den Ortschaften sehe ich auch viel Abfall und Dreck, alles wird vor die Tür oder neben die Strasse geworfen, gleich daneben dann tiefe Ziehbrunnen, aus welchem das Wasser getrunken wird. Auf der Fahrt durch das Terrai (Flachland von Nepal) übernachte ich teilweise ganz einfach, auf zu kurzen schnurbespannten Betten im Rauch des Feuers im Eingangbereich. Die Essensauswahl ist stark geschrumpft; Samosa , Chapati, Dal Bhat und Chaitee sind meine Hauptspeisen bzw. -getränk. Nach 2 1/2 Wochen verlasse ich Nepal mit all seinen freundlichen Menschen über den westlich gelegenen Grenzübergang Mahedranagar nach Indien.
Meine ersten Eindrücke von Indien: Viel motorisierter Strassenverkehr, viel Gehupe, wenig Strassenregeln und als Fahrradfahrer am unteren Ende der Strassenvortrittshirarchie. ‘Gib acht und fahr vorsichtig in Indien!‘ diese Empfehlung von Indienradlern habe ich mir fest zu Herzen genommen. Mit meiner defensiven Fahrweise erreiche ich problemlos, vielleicht mit einem leichten Hörschaden vom vielen Gehupe, die Hauptstadt Delhi. Ohne Stadtplan finde ich erstaunlich einfach das anvisierte Hotel nahe dem New Delhi Eisenbahnbahnhof. Hier in Delhi angekommen werde ich nun zur Ruhe kommen, schauen, dass ich wieder fit werde und verlorende Kilos anfüttern kann. Es gilt dann einen Entscheid für die Weiterreise zu treffen.




























